Vom 10. bis 13. Juli 2025 fanden in Pristina die European Esports Championship 2025 statt und wir, IrusVirus und 2Baid, haben die Chance genutzt, selbst vor Ort zu sein. Unser Ziel: Inspiration sammeln, schauen wie so ein Event aufgezogen wird und was es alles dazu brauchz, mit Leuten aus der Szene und den Organisatoren sprechen und Erfahrungen mitnehmen.
Organisiert mit Herzblut und Struktur
Der Event wurde von der FESK (Federata Esports Kosova) organisiert – im Auftrag der EEF (European Esports Federation) und der IESF (International Esports Federation). Gespielt wurde neben CS2 auch CS2 Women (zum ersten Mal auf europäischer Ebene!) sowie Dota 2.
Stattgefunden hat das Ganze in dem 1 Tetori Sports Center, einer Arena mit echtem Turnierfeeling. 36 Teams aus 24 Ländern waren dabei mit rund 1’500 Zuschauerinnen und Zuschauern, die für richtig gute Stimmung sorgten. Und das durchgehend fair.
Bühne, Streams und zweisprachige Kommentatoren
Die Matches wurden auf einer grossen Bühne gespielt, begleitet von englischen Kommentatoren für den internationalen Livestream auf Twitch. Bei Matches mit kosovarischer Beteiligung und beim Finale wurde sogar zusätzlich auf Albanisch kommentiert. Parallel zur Hauptbühne liefen weitere Matches an der Seite, etwas weniger im Fokus, aber genauso intensiv.
Das wahre Highlight: Die Menschen
So beeindruckend das Event war, unser persönliches Highlight waren die Menschen vor Ort. Wir kamen super easy ins Gespräch mit Spielern, Volunteers und Organisatoren. Jeder war offen, hilfsbereit und motiviert. Wir wurden auch Persönlichkeiten vorgestellt, die die Esport-Szene in Kosovo prägen, unteranderem Besnik, Hajrullah, Enes, Artan, Dren, Marigone, Leke, Metin und vielen weiteren, aber auch der Schweizer CS Legende rigoN! Zudem wurden wir politischen grössen vorgestellt, unter anderem dem Präsidenten des FESK, dem Vizepräsidenten des EEF, der Kosovarischen Kulturministerin sowie einigen anderen Personen – und, man mag es kaum glauben, auch anderen Schweizern wie Alban und seinem Bruder, mit denen wir mehrmals gemeinsam essen waren und die uns Pristina kulturell näherbrachten.
Die Offenheit, mit der man uns begegnet ist, war ehrlich beeindruckend und definitiv ein Punkt, den wir nicht so schnell vergessen und mit nach Hause nehmen. Denn wer in der Schweiz lebt, weiss ganz genau, wie kalt und reserviert wir gegenüber neuen Bekanntschaften sein können.
Reibungsloser Ablauf und starke Unterstützung
Obwohl es der erste grosse Event dieser Art in Kosovo war, lief alles absolut professionell: Technik, Zeitplan, Sicherheit, nichts wirkte improvisiert. Mit einem Prize pool von €50’000, waren auch die Preisgelder ordentlich (CS2 Women: €10’000, Dota 2: €15’000, CS2 Male: €25’000)! Die Finanzierung kam grösstenteils von der kosovarischen Regierung und dem Kulturministerium, ergänzt durch Sponsoren. Welche Länder gewonnen haben, findest du auf Liquipedia.
Ein Blick auf die Unterschiede zur Schweiz
Genau das war auch der Grund, warum wir diesen Trip gemacht haben. In der Schweiz ist Esport noch nicht als Sport anerkannt. Das macht es uns als Clan auch unmöglich, staatliche Unterstützung oder Förderung zu erhalten. Nur in der Romandie, im Kanton Waadt, gibt es einen Esport-Fonds in Höhe von >50’000 CHF, welcher durch den Kanton zur Verfügung gestellt wird. Eine Geldsumme sowie politische Einstellung, von der wir hier in der Deutsch-Schweiz aktuell nur träumen können.
Dabei gäbe es bei uns die nötige Infrastruktur, Technik und Locations. Was fehlt, ist das politische und gesellschaftliche Verständnis dafür, was Esport eigentlich ist. Denn auch wenn man beim normalen Gaming nur wenig körperlich aktiv ist, kommt man bei Spielen wie CS2 oder Dota 2 noch recht schnell und häufig ins Schwitzen, weil die Spiele sehr intensiv sind und man viele Mikrobewegungen ausführt. Dabei sind 3- bis 6-stündige Gaming-Sessions am Tag die Regel, bei denen man stets dabei sein und Vollgas geben muss. Dazu kommen die strategischen und taktischen Elemente, die Analysefähigkeit und Rekationszeiten in Mikrosekunden, das Teamplay und das allgemeine Zusammenspiel. Das sind viele Elemente, bei denen man durchaus argumentieren kann, dass es sich ähnlich wie bei einem traditionellen Sport verhält, denn Esport ist sehr anspruchsvoll und sollte endlich sein negatives Image und Stigma verlieren dürfen.
Der Kosovo zeigte uns dieses Wochenende eindrücklich, wie es anders laufen kann!
Abseits des Events: gutes Essen, neue Freundschaften und unser Fazit
Auch abseits der Eventlocation war Pristina durchaus eine Reise wert. Wir haben viel von der fleischlastigen Küche gegessen und die Preise sind im Vergleich zur Schweiz sehr günstig. Was uns aber am meisten beeindruckt hat, waren die Menschen: herzlich, offen und mit echter Gastfreundschaft.
Für alle Schweizer Esport-Begeisterten da draussen: Wenn ihr solch einen Event einmal selbst erleben wollt, wie lebendig, professionell und gleichzeitig nahbar Esport sein kann, dann packt euren Rucksack und fahrt an zukünftige Events. Denn die Szene lebt! Nur findet sie aktuell oft noch ausserhalb der Schweiz statt. Aber es lohnt sich, über die Landesgrenzen hinauszuschauen.
